Borderline Beziehung

Ein neues Erklärungsmodell zum Thema Borderline und Borderline-Beziehung
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 Eine Beziehung mit einem Menschen, der an einer Borderline Persönlichkeitsstörung leidet, ist alles andere als leicht und sicher nicht das, was man „normal“ nennen kann. Diese Beziehungen verlangen sehr viel Geduld und Verständnis.

Die attraktiven Eigenschaften und der Charme dieser Menschen sind faszinierend. Genau das spricht die Defizite eines Partners an, weshalb es für ihn sehr schwer ist, dem zu widerstehen. Ein Borderliner kann sich, aufgrund seiner stark empathischen Wahrnehmung, sehr gut und ganz genau auf einen Menschen einstellen. Da er auf der Suche nach einer Identität ist, identifiziert er sich innerhalb kürzester Zeit mit dem potentiellen Partner  (projektive Identifikation). Er spiegelt ihm alles, was er haben möchte zurück, samt seiner unbewussten Wünsche (es werden auch negative Affekte und innere Koflikte unbewusst "eingeschleust"). Der Partner erlebt dies als eine unglaubliche Einheit und glaubt an Seelenverwandtschaft. Diese Intensität ist am Anfang der Beziehung sehr schön und auch der Grund wieso der Partner, trotz Schmerz und Abwertung an der Beziehung festhält und sich auch nach der Trennung schwer lösen kann.

Eine Beziehung mit einer Borderline-Persönlichkeit ähnelt einer Achterbahnfahrt. Man wird  hineingezogen in eine Welt, die keine Kompromisse kennt. Sie besteht aus völliger Hingabe und Liebe, sowie totaler Ablehnung und Hass. Eine Welt ohne Vergangenheit, eine Welt die sich täglich neu erfinden muss und niemals aus der Schatzkiste ihrer Erfahrung schöpfen kann… verzweifelte Suche nach dem eigenen Ich, das ständige Erfinden von Rollen in die man schlüpft, um der Umgebung und sich selbst eine Identität vorzuspielen.

Am Anfang einer Borderline-Beziehung ist es magisch, wie der Himmel auf Erden. Es stellt sich innerhalb kürzester Zeit eine symbiotische Beziehung ein. In den meisten Fällen stellt sich dabei das Gefühl ein, seinen Seelenverwandten gefunden zu haben, ein Gefühl der Verschmelzung und das Ende der Suche. Man fühlt, dass man angekommen ist. Man hat „die Liebe seines Lebens“ endlich gefunden.

Nach einer Weile jedoch, geht diese Beziehung aus unerklärlichen Gründen in die Brüche. Dies passiert meistens plötzlich. Von heute auf morgen wird man verlassen, meistens dann, wenn es am schönsten und intensivsten war. Und damit nicht genug. Das Gegenüber scheint einen in einer unfassbaren Weise abzuwerten, ja sogar zu hassen. Zurück bleiben eine bis dahin unbekannte tiefe Leere und ein Schmerz, den man sich nie hätte vorstellen können.

Kurz gesagt, man ist durch dieses intensive Gefühlserlebnis und den raschen Wechsel von Liebe zum Hass verwirrt, verletzt und verunsichert.

Bildlich gesprochen, ist man „Gefühlsachterbahn“ gefahren und hat das bis dato extremste Wechselbad der Gefühle erlebt. Wie nach einer Achterbahnfahrt verliert man auch hier das Gleichgewicht, den Halt und den Boden unter den Füßen. Der Unterschied bei der „Gefühlsachterbahn“ ist, dass die Gefühle der Angst und Orientierungslosigkeit viel länger bestehen bleiben, als nach einer realen Achterbahnfahrt.

Das Selbstbild und Selbstwertgefühl sind erschüttert. Was am Ende einer solchen Begegnung immer bleibt sind Schmerz, Verzweifelung und die große Frage:WARUM?“

 

 "Im Grunde genommen teilen wir alle die Welt in wahr und falsch, gut und schlecht, schwarz und weiß ein. Daher kommt auch die entrüstete Ablehnung der scheinbar seelenlosen Idee, dass eine Beziehung mehr und anders geartet sei als die Summe der Eigenschaften der beiden Beziehungspartner."
Paul Watzlawick